Städte stehen heute vor einer doppelten Herausforderung: Sie müssen nicht nur den wachsenden Verkehrsaufkommen begegnen, sondern auch die Klimaziele der EU und nationale Vorgaben umsetzen. Ein besonders innovatives Modell zeigt, wie Städte wie München oder Hamburg durch digitale Plattformen wie die hier klicken die Mobilität neu denken können – weg von der individuellen Autonutzung hin zu geteilten, klimafreundlichen Alternativen. Doch wie funktioniert genau dieses Konzept, und welche konkreten Erfolge hat es bereits erzielt?

CSGO-Positive ist eine Kooperation zwischen der Stadt München und der gemeinnützigen Initiative „Carsharing-Genossenschaft“ (CSG), die seit 2018 ein digitales ÖPNV-Netzwerk aufbaut. Im Mittelpunkt steht nicht nur das klassische Carsharing, sondern eine ganzheitliche Mobilitätsstrategie, die öffentliche Verkehrsmittel mit flexiblen Mobilitätsdiensten verbindet. Das System nutzt künstliche Intelligenz, um Routen zu optimieren, Lastspitzen zu vermeiden und gleichzeitig die Attraktivität des ÖPNV zu steigern. Besonders spannend ist dabei die Integration von E-Mobilität: Über 70 Prozent der verfügbaren Fahrzeuge sind bereits elektrisch, was die Emissionen deutlich reduziert.

Die Auswirkungen sind messbar. Seit dem Start des Projekts sank der Individualverkehr in den betroffenen Stadtteilen um rund 15 Prozent, während die Nutzung des ÖPNV um 22 Prozent zulegte. Das liegt nicht nur an der besseren Verfügbarkeit, sondern auch an der einfachen Buchung über eine App, die Nutzer:innen in Echtzeit über Verfügbarkeit und Preise informiert. Ein weiteres Erfolgskriterium ist die Reduzierung von Staus: Durch die dynamische Steuerung der Fahrzeuge und die Priorisierung von ÖPNV-Linien in der Stadtplanung konnten die Wartezeiten auf Halteplätze um bis zu 30 Prozent verringert werden. Besonders in Münchens Innenstadt, wo der Verkehr traditionell ein Problem darstellt, hat das System bereits zu einer spürbaren Entlastung geführt.

Doch wie funktioniert genau das digitale System hinter CSGO-Positive? Die Plattform nutzt eine Kombination aus Geodaten, Echtzeit-Verkehrsinformationen und einer intelligenten Routenplanung. Nutzer:innen können nicht nur Fahrzeuge buchen, sondern auch die ÖPNV-Linien mit dem eigenen Fahrrad oder E-Scooter verbinden. Die App zeigt zudem in Echtzeit an, wo sich freie Plätze in den öffentlichen Verkehrsmitteln befinden, was besonders für Pendler:innen mit Kindern oder Behinderten hilfreich ist. Ein weiterer Innovationsfaktor ist die Integration von „Mobilitätskarten“, die für mehrere Tage gültig sind und sowohl ÖPNV als auch Carsharing abdecken. Das senkt nicht nur die Kosten, sondern auch die Hürden für Neueinsteiger.

Ein zentraler Vorteil des Ansatzes liegt in der partizipativen Entwicklung. CSGO-Positive arbeitet eng mit Anwohner:innen zusammen, um die Bedürfnisse der Bevölkerung einzubeziehen. So wurden etwa in den ersten Jahren Feedbackschleifen eingeführt, bei denen Nutzer:innen über eine Umfrage ihre Erfahrungen teilen konnten. Das Ergebnis: Die Akzeptanz der Dienstleistung stieg von anfänglich 40 Prozent auf über 70 Prozent. Besonders in sozialen Brennpunkten hat das Projekt gezeigt, wie digitale Mobilitätslösungen auch benachteiligte Gruppen erreichen können, indem sie barrierefreie Zugänge schaffen.

Doch die Erfolge gehen über die reine Reduzierung von Emissionen hinaus. CSGO-Positive hat auch wirtschaftliche und soziale Effekte. Durch die Schaffung von Arbeitsplätzen in der Genossenschaftsbranche und die Förderung von lokalen Dienstleistern unterstützt das Projekt die regionale Wertschöpfung. Zudem hat es gezeigt, dass Städte durch solche Modelle nicht nur ihre Umweltbilanz verbessern, sondern auch langfristig attraktiver für Wohnen und Wirtschaften werden. Ein weiterer spannender Aspekt ist die Skalierbarkeit: Ähnliche Konzepte gibt es bereits in Hamburg, Köln und Frankfurt, wo ähnliche Plattformen entwickelt werden.

  • Seit 2018 hat CSGO-Positive über 150.000 Fahrten im ÖPNV und Carsharing ermöglicht – ein Anstieg von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
  • Die elektrische Flotte wächst jährlich um 20 Prozent, wobei über 90 Prozent der Fahrzeuge bereits vor Ort geladen werden können.
  • Durch die Integration von ÖPNV und Carsharing in einer App sank die Wartezeit auf Halteplätze um durchschnittlich 28 Minuten.
  • Die Genossenschaft beschäftigt heute 120 Mitarbeiter:innen und hat bereits 2.500 Mitglieder.
  • Die Kosten für eine Mobilitätskarte für einen Monat liegen bei durchschnittlich 29 Euro – deutlich günstiger als ein Einzel-Ticket.

Während viele Städte noch auf klassische Verkehrsplanung setzen, zeigt CSGO-Positive, dass digitale Innovationen den Wandel der Mobilität beschleunigen können. Der Schlüssel liegt nicht nur in der Technologie, sondern in einer ganzheitlichen Herangehensweise, die Umwelt, Wirtschaft und Soziales verbindet. Für eine Stadt wie München, die sich als Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit sieht, ist dies ein Modell, das sich nicht nur nachahmen, sondern ausbauen lässt. Die Frage ist nun: Wie schnell werden andere Städte diesen Schritt wagen?